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Die Entstehung der Oilers und der Weg in die NHL

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Photo credit:Canada Sports Hall of Fame
Philipp Döhring
1 month ago
Die Geschichte der Edmonton Oilers beginnt im Jahr 1971. Um genau zu sein, am 01.11.1971, dank eines Mannes, der maßgeblich an der Entstehung der Oilers beteiligt war. Sein Name war William Dickenson Hunter oder, wie die meisten Leute ihn nannten, “Wild Bill” Hunter. Hunter wurde am 05.05.1920 in Saskatoon, Saskatchewan geboren und verbrachte als Trainer, Manager und Besitzer von Eishockeymannschaften unzählige Stunden in Eishockeyhallen. “Wild Bill” Hunter war auch Mitte der 1960er Jahre Eigentümer, Trainer & Manager der Edmonton Oil Kings. In einem Zeitraum von sieben Jahren von 1960 biss 1966 spielten die Oil Kings jedes Jahr um den Memorial Cup, die nationale kanadische Meisterschaft im Junioren-Hockey, gewannen aber nur zweimal, 1963 und 1966 – letzteres mit Hunter an der Spitze -. Im selben Jahr (1966) half er bei der Gründung der Canadian Major Junior Hockey League, aus der sich die spätere Western Hockey League (WHA) entwickelte und Hunter auch Gründungspräsident war.
Als Unternehmer, harter Arbeiter und Visionär, der zu (manche würden sagen) verrückten Plänen neigte, war Hunter entschlossen, den professionellen Hockeysport nach Alberta zu bringen. Er dachte immer größer und weiter. Im Jahr 1970 setze sich Hunter dafür ein, ein Team der National Hockey League (NHL) nach Edmonton zu bringen. Die NHL expandierte in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren schnell, aber die Liga lehnte Hunters Vorschlag für ein Edmonton-Team ab. Die Ablehnung spornte ihn nur noch mehr an.
Hunter erhielt einen Anruf von zwei amerikanischen Promotern, Gary Davidson und Dennis Murphy, die versuchten, eine neue professionelle Eishockeyliga zu gründen. Eine, die Franchise in Märkten umfassen würde, die die NHL als zu klein oder abgelegen für Expansionsteams abgelehnt hatte. 1967 gründeten Davidson und Murphy die American Basketball Association, eine Liga, die in direkter Konkurrenz zur National Basketball Association stand, und 1971 versuchten sie, dasselbe auch im Eishockey zu erreichen. Ihre Idee sollte World Hockey Association heißen. Hunter nutze die Chance mitzumachen. Mit großer Begeisterung reiste er viel, besuchte Arenen in ganz Nordamerika, saß auf Tribünen, aß das übliche Stadionessen, plauderte mit verschiedenen Presseleuten und suchte nach geeigneten Märkten und Eigentümergruppen. Natürlich standen Edmonton und Calgary ganz oben auf seiner Wunschliste.
Am 01.11.1971 wurden die Edmonton Oilers zu einem der zwölf Gründungsteams der WHA (der Name war in den 1950er Jahren ein informeller Spitzname für die Edmonton Oil Kings. Die Voraussetzung für eine mit Spannung erwartete Rivalität schienen gegeben zu sein, doch die Schlacht von Alberta (Battle of Alberta) musste noch einige Jahre warten. Bevor die Saison begann, scheiterte die Broncos-Franchise und wurde von den Cleveland Crusaders eingenommen. Dieser Schritt erfolgte vor dem Eröffnungsspiel der WHA im Oktober. Diese Verschiebung führte dazu, dass Hunter das Team in Alberta Oilers umbenannte. Am 11.10.1972 gewannen die Oilers das erste Spiel in der Geschichte der WHA und besiegten die Ottawa Nationals auswärts mit 7:4.
Die Oilers spielten die ganze Saison über mittelmäßiges Eishockey und erzielten am Ende eine Bilanz von 38-37-3, wodurch sie mit den Minnesota Fighting Saints den vierten Platz in der West Division der WHA belegten. Alberta und Minnesota mussten dann in einen Showdown in einem Spiel aufeinandertreffen, um herauszufinden, wer von ihnen in die Playoffs einziehen würde. Die Saints gewannen das Spiel mit 4:2 und zogen damit in die Playoffs gegen Winnipeg ein.
Am Ende der Saison kehrten die Alberta Oilers zu ihrem ursprünglichen Namen zurück: DIE EDMONTON OILERS!
Die meisten Spiele der Oilers in den ersten beiden WHA-Saisons wurden im Edmonton Gardens mit 5.200 Sitzplätzen ausgetragen. Der Edmonton Gardens wurde bei der Eröffnung im Jahr 1913 als prächtiges Gebäude gefeiert. Aber 1972 war die Arena bereits veraltet und heruntergekommen und nicht wirklich für professionelles Eishockey geeignet. Hunter hatte sich natürlich hohe Ziele gesetzt und stellet sich eine neue Arena vor, die eines Major-League Einsatzes würdig wäre.
Dr. Charles Allard war Chirurg im Edmonton General Hospital und gleichzeitig Unternehmer. Obwohl er sich intensiv mit Immobilien beschäftigte, lernte er Zane Feldman in der Automobilbranche kennen. Sie schlossen sich aus geschäftlichen Gründen zusammen und es entstand eine langfristige Freundschaft. Hunter erkannte die vielen Vorteile einer Zusammenarbeit mit ihnen und alle drei gelten als Gründer der Oilers. Ihre Vision und Hartnäckigkeit hielten das professionelle Eishockey in Edmonton am Leben. Sie fragten sich gegenseitig, warum eine neue Arena nicht sowohl für Pferde als auch für Eishockey sein könnte.
Natürlich gab es Kritiker, die eine neue Arena in Edmonton nicht für eine gute Idee hielten, und wie bei jedem Bauwerk dieser Art, gab es Debatten darüber, wer wofür bezahlen würde, wo und wer die Arena bauen würde, wer sie benutzen darf und so weiter. Feldman übernahm die Aufgabe, diese Arena bauen zu lassen.
Im November 1972 erfolgte der Spatenstich für die neue Arena an der 118th Avenue und 73. Straße. Trotz Verzögerungen und Kostenüberschreitungen war das Gebäude, das den Namen Northlands Coliseum erhielt, zwei Jahre später, fast auf den Tag genau bereit, ein Oilers Spiel auszurichten. Nun ja, fast fertig. Die Heimspielpremiere in der Saison 1974-75 war ursprünglich für den 09.11. geplant, musste jedoch verschoben werden, da noch mehrere tausend Sitzplätze installiert werden mussten. Die Bauarbeiter arbeiteten sowohl Tags- als auch Nachtsüber und am 10.11. spielten die Edmonton Oilers gegen die Cleveland Crusaders, obwohl 200 Gäste Sitzkissen mitbringen mussten, weil die letzten Sitze noch nicht geliefert und schon gar nicht festgeschraubt worden waren. Die Spieler mussten sich im alten Stadion (Edmonton Gardens) umziehen und wurden von dort mit dem Bus in das neue Stadion gebracht, da ihre Umkleidekabine noch aus Sperrholz bestand.
Ursprünglich hatte das Coliseum 15.423 Sitzplätze, doch im Laufe der Jahre wurde es auf eine Kapazität von fast 17.500 erweitert. Aufgrund von weiteren Umbaumaßnahmen, damit luxuriöse Logen und Suiten entstehen konnten, wurden mehrere hundert Sitzplätze entfernt. Als die Oilers dort ihre letzten Spiele spielten, waren es 16.839 Sitzplätze. Das besondere dieses Stadions / Arena war, dass sich Spielerbänke auf derselben Seite des Eises befanden wie die der Fernsehkameras. Eine Eigenart, die den Oilers Heimspielen im Fernsehen ein unverwechselbares Aussehen verlieh. Das Northland Coliseum (zu verschieden Zeiten auch als Edmonton Coliseum, Skyreach Centre und Rexall Place bekannt) war ein wichtiger und notwendiger Faktor dafür, dass Edmonton Teil der National Hockey League wurde.
Damit die WHA mehr an Bedeutung gewinnen würde, sorgte Hunter dafür, dass die NHL mehr unter Druck geriet.
Bobby Hull, der damalige NHL Superstar der Chicago Blackhawks, der zum damaligen Zeitpunkt im Vertragsstreit mit den Blackhawks stand, bekam ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Ben Hatskin, den Hunter rekrutiert hatte, und der die Winnipeg Jets gründete, stimmte zu, den Vertrag mit Bobby Hull zu unterzeichnen. Bobby Hull bekam alleine für seine Unterschrift einen Bonus von 1 Mio. Dollar. Das war zum damaligen Zeitpunkt der bestbezahlte Vertrag in der Eishockey Geschichte! Er war dort Spielertrainer und somit auch der erste Trainer der Winnipeg Jets. Das Kuriose an dem Vertrag war aber, dass jedes der zwölf Vereine in der WHA diese Unterschrift erst möglich gemacht haben, da jeder Verein Geld zur Verfügung gestellt hat, um das Ganze zu ermöglichen. Andere Spieler aus der NHL folgten ebenfalls. Gordie Howe erklärte den Rücktritt vom Rücktritt und unterschrieb in Houston bei den Houston Aeros. Auch Maurice Richard kam in die WHA und wurde Trainer in Quebec. Es folgten immer weitere Spieler, die in die WHA wechselten, weil sie dort mindestens das doppelte verdienen konnten.
Es waren natürlich auch einige Youngstars dabei, wie z.B. der 17-jährige Wayne Gretzky, da das Mindestalter, um in der NHL spielen zu können, bei 20 Jahren lag.
Ausgerechnet Wayne Gretzky war es, der am 20.10.1978, sein allererstes WHA Tor gegen die Edmonton Oilers erzielt hat, als er für die Indiana Racers spielte.
Jedoch war nach den euphorischen Anfangsjahren in der WHA schnell wieder die Luft raus. Es kamen nicht mehr so viele Fans zu den Spielen, was den Vereinen, die ja den Spielern die gigantischen Gehälter zahlen mussten, herbe traf. Wayne Gretzky’s Engagement bei den Indianapolis Racers endete nach acht Begegnungen, in denen der Stürmer drei Treffer und drei Torvorlagen beisteuerte. Im November 1978 entschied sich Nelson Skalbania, der Besitzer der finanziell angeschlagenen Franchise, Gretzky gemeinsam mit Eddie Mio und Peter Driscoll für 850.000 Dollar an die Edmonton Oilers zu verkaufen.
Die National Hockey League versuchte hartnäckig, Wayne Gretzky in ihre Liga zu locken, da sie durch sein Engagement von einer steigenden Zuschauerresonanz profitieren würde. Die Oilers standen aber finanziell gut da, da sie ein großes Stadion hatten, dass jetzt erst recht gut gefüllt war, weil alle den jungen Wayne Gretzky sehen wollten. An seinem 18. Geburtstag unterzeichnete der Stürmer einen neuen Kontrakt bei den Oilers mit einer Laufzeit von zehn Jahren mit der Option um Verlängerung um weitere zehn Jahre.
Die NHL reagierte auf dieses Ereignis und entschied, dass das Franchise nach der Auflösung der WHA zur Saison 1979/80 in die National Hockey League aufgenommen wird, die wie folgt zustande kam.
Die WHA kämpfte mit finanzieller Stabilität, und Franchises wurden häufig umgesiedelt oder vollständig aufgelöst. In der Saison 1978/79 war die Liga auf sechs Teams geschrumpft. Die Liga war seit langem in Gesprächen mit der NHL über eine Fusion und erzielte 1979 eine Vereinbarung, bei der die Oilers, Jets, Quebec Nordiques und New England Whalers – später in Hartford Whalers umbenannt – der NHL für die Saison 1979/80 beitraten. Obwohl Hunter nicht mehr der Besitzer der Edmonton Oilers war, da er bzw. das Trio (Charles Allard, Zane Feldmann und Bill Hunter), die Oilers 1975 an den Geschäftsmann Nelson Skalbania verkaufte, erfüllte dies Hunters Traum, die NHL nach Edmonton zu bringen. Die Oilers wurden im darauffolgenden Jahrzehnt zu einer Dynastie. Von Glen Sather trainiert und auf dem Eis von Wayne Gretzky angeführt, gewann das Team zwischen 1984 und 1990 fünfmal den Stanley Cup. 1990 gewannen die Oilers ohne Wayne Gretzky den bis dato letzten Stanley Cup, da er ja bekanntlich am 09.08.1989 zu den den L.A. Kings getradet wurde.
Heute ist das Maskottchen der Edmonton Oilers, Hunter, zu Ehren von Bill Hunter benannt.
Quellen: Grit and Glory Celebration 40 Years of the Edmonton Oilers, Die stärkste Liga der Welt – Eishockey in der NHL – , Wikipedia

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