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Mike Babcock zu den Oilers? Eine Verpflichtung, die viele Fragen aufwirft
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Photo credit: Kyle Robertson-USA TODAY NETWORK
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Jun 9, 2026, 06:28 EDT
Es gibt Namen im Eishockey, bei denen die Meinungen sofort auseinandergehen. Mike Babcock gehört zweifellos dazu.
Die jüngsten Gerüchte, wonach die Edmonton Oilers den langjährigen NHL-Coach als möglichen Trainerkandidaten prüfen, haben in Nordamerika bereits eine hitzige Diskussion ausgelöst. Und ehrlich gesagt: Wir sind uns selbst nicht sicher, was wir davon halten sollen.

Sportlich spricht fast alles für ihn

Wenn man rein auf den Lebenslauf schaut, wirkt die Sache zunächst logisch.
Mike Babcock gehört zu den erfolgreichsten Trainern der modernen NHL-Geschichte. Stanley Cup mit Detroit, zwei olympische Goldmedaillen mit Kanada, über 700 NHL-Siege und jahrelang der Ruf, einer der besten Taktiker der Liga zu sein.
Gerade ein Team wie Edmonton, das mit Connor McDavid und Leon Draisaitl im absoluten Titelmodus unterwegs ist, könnte versucht sein, auf einen erfahrenen Coach zu setzen, der weiß, wie man Meisterschaften gewinnt.
Die Frage ist allerdings: Reicht das heute noch?

Der Schatten seiner Vergangenheit

Das eigentliche Problem ist nicht Babcocks Hockeywissen. Daran zweifelt kaum jemand.
Die Diskussion dreht sich vielmehr um seinen Umgang mit Menschen.
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Geschichten über seinen Führungsstil öffentlich. Spieler berichteten von Demütigungen, psychologischen Spielchen und einem Umgangston, der vielleicht vor 20 Jahren als „hart, aber erfolgreich“ galt, heute aber deutlich kritischer bewertet wird.
Besonders die Geschichte um Mitch Marner in Toronto sorgte für Aufsehen. Babcock ließ Marner als Rookie seine Mitspieler nach Arbeitseinsatz bewerten. Laut späteren Berichten wurden diese Einschätzungen anschließend anderen Spielern gezeigt. Marner fühlte sich hintergangen, und viele ehemalige Spieler sahen das als unnötige psychologische Manipulation. Später kamen weitere Berichte ehemaliger Spieler hinzu, die ein Bild zeichneten, das mit moderner Mitarbeiterführung wenig gemeinsam hat.
Mike Modano, Superstar der Dallas Stars, der zum Ende seiner Karriere nochmal einen Cup mit Detroit gewinnen wollte, wurde in der Saison 2010-11 vor seinem 1500. Karrierespiel – sportlich nicht nachvollziehbar – aus dem Kader gestrichen. Modano beendete seine Hall of Fame-Karriere folglich mit 1499 NHL-Spielen und verpasste es somit, der 25. Spieler in der Historie zu werden, der den Meilenstein von 1500 Spielen erreicht.
Jason Spezza, der vor der Saison 2019-20 zu den Leafs unter Babcock wechselte, wurde ebenfalls vollkommen überraschend aus dem Kader gestrichen, als es zum Saisonauftakt nach Ottawa ging, wo Spezza 11 Jahre spielte und zum Superstar heranreifte. Ein emotionales Video, als Dankeschön seiner ehemaligen Franchise, wurde nie abgespielt.
Spätestens seitdem haftet Babcock das Image eines Trainers an, der zwar Ergebnisse liefert, dabei aber oft verbrannte Erde hinterlässt.

Das Columbus-Debakel

Dass seine Karriere dennoch praktisch beendet schien, lag vor allem an seinem kurzen Intermezzo in Columbus.
2023 erhielt er bei den Blue Jackets eine zweite Chance. Noch bevor die Saison begann, musste er jedoch zurücktreten. Auslöser waren Vorwürfe rund um Treffen mit Spielern, bei denen persönliche Inhalte auf deren Mobiltelefonen gezeigt wurden. Was zunächst harmlos erschien, entwickelte sich schnell zu einer größeren Kontroverse.
Das Ergebnis: Babcock coachte kein einziges Spiel.
Für viele Fans war das der endgültige Beweis, dass die NHL sich weiterentwickelt hat – und Mike Babcock möglicherweise nicht im gleichen Tempo.

Passt er überhaupt zu Edmonton?

Genau hier beginnt die eigentliche Debatte.
Die Oilers verfügen über eine Kabine voller erfahrener Spieler, Superstars und Persönlichkeiten. Connor McDavid, Leon Draisaitl und Co. brauchen keinen Trainer, der sie anschreit oder mit psychologischen Tricks motiviert.
Sie brauchen jemanden, der eine ohnehin starke Mannschaft auf das nächste Niveau hebt.
Kann Babcock das?
Vielleicht.
Aber ebenso berechtigt ist die Frage, ob Edmonton wirklich einen derart kontroversen Namen verpflichten muss. Die Organisation steht unter enormem Druck, endlich den Stanley Cup zu gewinnen. Jede Entscheidung wird auf die Goldwaage gelegt.
Warum also ein Risiko eingehen, wenn es auch andere hochqualifizierte Trainer gibt?

Zwischen Genie und Anachronismus

Genau deshalb fällt eine Bewertung so schwer.
Der Mike Babcock von 2008 wäre vermutlich für nahezu jedes NHL-Team ein Traumkandidat gewesen.
Der Mike Babcock von heute ist dagegen eine deutlich kompliziertere Personalie.
Vielleicht hat er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Vielleicht würde er in Edmonton erfolgreich sein. Vielleicht würde er sogar genau die Struktur bringen, die dem Team noch fehlt.
Vielleicht wäre die Verpflichtung aber auch ein Rückschritt in eine Ära, die längst vorbei ist.
Und genau deshalb hinterlassen die Gerüchte bei uns vor allem ein Gefühl:
Ratlosigkeit.
Denn selten lagen die Argumente für und gegen einen Trainer so weit auseinander wie bei Mike Babcock. Sportlich wirkt die Idee nachvollziehbar. Menschlich und kulturell bleiben jedoch erhebliche Fragezeichen.
Sollten die Oilers diesen Schritt tatsächlich gehen, wäre es eine der spannendsten – und gleichzeitig umstrittensten – Trainerentscheidungen der letzten Jahre.

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