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Mike Babcock stellt sich den Fragen – Vertrauen lässt sich nicht erklären
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Photo credit: Dan Hamilton-USA TODAY Sports
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Jun 23, 2026, 17:47 EDT
Als die Edmonton Oilers vor einigen Wochen erstmals mit Mike Babcock in Verbindung gebracht wurden, war die Diskussion sofort größer als die sportliche Komponente. Zu schwer wiegt das Gepäck, das der langjährige NHL-Coach mitbringt. Zu präsent sind die Geschichten ehemaliger Spieler über Demütigungen, problematische Führungsmethoden und sein abruptes Aus in Columbus, noch bevor dort überhaupt ein reguläres Saisonspiel absolviert wurde.
Mit der offiziellen Vorstellung Babcocks als neuer Head Coach der Oilers stand deshalb von Beginn an fest: Diese Pressekonferenz würde sich nicht nur um Taktik, Stanley-Cup-Ambitionen oder Connor McDavid drehen.
Und genau so kam es.
Zwar eröffneten General Manager Stan Bowman und Babcock die Veranstaltung mit den üblichen Aussagen über Erfahrung, Siegermentalität und die gemeinsame Vision für die Zukunft. Doch die eigentlichen Schlagzeilen entstanden in den Fragerunden, als sich Babcock wiederholt mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen musste.
Mehrfach wurde der neue Oilers-Coach auf sein Scheitern in Columbus angesprochen. Dort war seine Amtszeit 2023 beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Berichte über den Umgang mit Spielern und deren Mobiltelefonen hatten damals zu einer Untersuchung geführt, an deren Ende Babcock seinen Rücktritt erklärte.
Auf die Frage, was damals tatsächlich passiert sei, wich der 63-Jährige nicht aus, lieferte aber auch keine neuen Details.
„Wenn man Menschen unwohl fühlen lässt, sollte man sich selbst hinterfragen und überlegen, wie man es besser machen kann“, sagte Babcock. Die Angelegenheit sei untersucht worden, man habe daraus gelernt und nun liege der Fokus auf Edmonton.
Damit blieb er im Wesentlichen bei jener Linie, die er seit seinem Columbus-Aus verfolgt: Fehler eingestehen, ohne konkret auf einzelne Vorwürfe einzugehen.
Noch direkter wurde es, als Journalisten die Frage stellten, warum Babcock überhaupt eine weitere Chance verdient habe. Nach den Kontroversen in Detroit, Toronto und Columbus sei dies mittlerweile die dritte große Möglichkeit für einen Neuanfang.
Babcock verwies dabei auf persönliche Entwicklung, Gespräche mit seinen Kindern und die Bereitschaft, sich selbst kritisch zu hinterfragen. Besonders bemerkenswert war seine Aussage, dass nicht unbedingt seine Absichten das Problem gewesen seien, wohl aber gelegentlich sein Tonfall.
„Manchmal sind die Absichten richtig, aber der Ton ist es nicht“, sagte er.
Es war einer der wenigen Momente, in denen Babcock zumindest indirekt einräumte, dass sein Umgang mit Menschen in der Vergangenheit Teil des Problems gewesen sein könnte.
Auch Bowman wusste, dass die kritischen Fragen kommen würden. Der General Manager, selbst nach seiner Rolle im Chicago-Blackhawks-Skandal eine umstrittene Personalie, verteidigte die Entscheidung der Oilers mehrfach. Man habe ausführliche Gespräche geführt, klare Erwartungen formuliert und sei überzeugt, dass Babcock aus seinen Erfahrungen gelernt habe.
Dabei argumentierte Bowman weniger mit Babcocks Charakter als mit dessen Hockey-Kompetenz. Immer wieder hob er dessen Detailwissen, Erfahrung und Fähigkeit hervor, eine Mannschaft auf Meisterschaftsniveau zu führen.
Der sportliche Kern der Pressekonferenz war deshalb schnell erkennbar: Die Oilers glauben, dass Babcock der Trainer sein kann, der Connor McDavid und Leon Draisaitl zum Stanley Cup führt.
Besonders interessant waren in diesem Zusammenhang Babcocks Aussagen über seine Gespräche mit den Führungsspielern. Mehrfach betonte er, dass McDavid, Draisaitl und Zach Hyman bereit seien, Veränderungen zu akzeptieren und mehr Verantwortung für das Gesamtkonstrukt Team zu übernehmen.
Nach Ansicht des neuen Trainers war Edmonton in der vergangenen Saison zu abhängig von wenigen Spielern. Die Stars hätten zu viele Minuten gespielt, während die Tiefe im Kader zu wenig eingebunden gewesen sei.
Diese Diagnose deckt sich mit den Beobachtungen vieler Experten. Ob Babcock jedoch tatsächlich der richtige Mann ist, um dieses Problem zu lösen, bleibt die große offene Frage.
Die Frage ist dabei nicht, ob Mike Babcock ein schlechter Mensch ist. Die Frage ist auch nicht, ob Menschen Fehler machen dürfen.
Natürlich dürfen sie das.
Jeder Mensch verdient die Chance, aus Fehlern zu lernen. Jeder Mensch verdient die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und einen neuen Weg einzuschlagen. Niemand sollte auf ewig auf die schlechtesten Momente seines Lebens reduziert werden.
Doch daraus folgt nicht automatisch, dass man wieder genau dorthin zurückkehren muss, wo die Probleme entstanden sind.
Der Job eines NHL-Head-Coaches ist kein Grundrecht. Er ist ein Privileg. Einer der begehrtesten und einflussreichsten Jobs im professionellen Sport. Wer ihn ausübt, trägt Verantwortung für Menschen, Karrieren und ein Arbeitsumfeld, in dem Vertrauen eine zentrale Rolle spielt.
Deshalb fällt es schwer, die Vorstellung einfach zu akzeptieren, dass ein Verweis auf persönliche Entwicklung und die Aussage „Ich habe mich verändert“ ausreichen sollen, um sämtliche Zweifel auszuräumen.
Niemand fordert, dass Mike Babcock aus dem Hockey verschwinden soll. Niemand wünscht ihm persönliches Scheitern. Niemand verlangt, dass er für Fehler der Vergangenheit auf ewig bestraft wird.
Aber zwischen gesellschaftlicher Vergebung und der Rückkehr auf eine der größten Bühnen des Sports besteht ein Unterschied.
Genau deshalb sind die kritischen Fragen berechtigt.
Denn die Oilers verpflichten nicht irgendeinen Trainer. Sie verpflichten einen Trainer, dessen größte Erfolge ebenso bekannt sind wie die Kontroversen, die ihn seit Jahren begleiten.
Babcock sprach in Edmonton mehrfach von Wachstum, von Selbstreflexion und davon, dass er sich verändert habe. Das mag alles stimmen. Vielleicht stimmt es sogar vollständig.
Doch Vertrauen entsteht nicht durch Pressekonferenzen.
Vertrauen entsteht durch Zeit, durch Verhalten und durch Konsequenz.
Die Oilers haben entschieden, dass Mike Babcock diese Chance verdient hat. Das ist ihr gutes Recht.
Ob er sie tatsächlich verdient hat, wird nicht an seinen Antworten an diesem Tag gemessen werden.
Sondern daran, wie er mit Spielern umgeht, wenn die Kameras ausgeschaltet sind.

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