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Leserbrief an ran zu: “Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers: Wie lange soll er sich das noch antun?”

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Photo credit:STEPHEN R. SYLVANIE-USA TODAY SPORTS
Tim Keller
9 months ago
Liebes Ran-Team, Lieber Leopold Grünwald,
das Ausscheiden der Oilers in der zweiten Runde der 2023 NHL Playoffs gegen die Vegas Golden Knights ist zum Zeitpunkt dieses Beitrags mittlerweile noch nicht einmal 24 Stunden her, der Kommentar über die Zukunft von Leon Draisaitl erschien kaum zehn Stunden nach dem letzten Buzzer im Rogers Place. Als Ich den Beitrag zum ersten mal gelesen hatte, waren deshalb auch viele Emotionen dabei, die hochgekocht sind.
Die Enttäuschung ist groß: bei den Menschen in der Stadt Edmonton, in der deutschen Oilers Fan Community, im Management der Oilers, sowie bei den Spielern um Connor McDavid und Leon Draisaitl. Das große Ziel war der Titel und dies wurde einfach nicht erreicht, weil das Team als Ganzes nicht gut genug war, da sind die Verteidigung, Torhüter Stuart Skinner, die Stürmer in den Reihen 2, 3 und 4, aber eben auch Draisaitl und McDavid nicht ausgenommen. Schlussendlich war Vegas besser, weil sie ihre überragende regular season in den Playoffs bestätigen konnten, den Oilers ist dies nicht gelungen.
Aber ist das Grund genug, um die Frage zu stellen, ob Leon noch zufrieden ist in Edmonton? Gibt es noch weitere Argumente dafür?
Ich finde nicht, dass der Kommentar genügend legitime Gründe aufführt, die es möglicherweise sogar gibt. Gleichzeitig wird auch kaum nach Gründen gesucht, warum Draisaitl in Edmonton bleiben sollte, obwohl es auch dafür genügend Argumente gibt. Womit ich übereinstimmen kann ist, dass die nächste Saison wegweisend ist im Stanley Cup Fenster der Generation Draisaitl-McDavid.

An Leon Draisaitl lag es sicher nicht

Nach Spiel 3 der Serie gegen Las Vegas hätte ich diese These so noch irgendwie vertreten können, aber die letzten 3 Spiele waren einfach nicht gut genug, auch wenn die fehlenden Torerfolge möglicherweise der Ausgleich der unmenschlich guten Torraten der Spiele davor war. Auch seine seine Leistungen in der Defensive waren nicht überragend, da stehen in den Playoffs im 5 gegen 5 elf Gegentore, während er auf dem Eis war, zu Buche (bei 9.2 Expected Goals Against). Natürlich spielt da auch die schlechte Torhüterleistung eine Rolle, aber in seiner Karriere hat Superstar Draisaitl trotzdem noch einiges an Potenzial in seinem Defensivspiel. Gleichzeitig ist Draisaitl die letzte Person, welche sich selbst aus der Verantwortung nehmen würde und hat sich nach dem Spiel mit eingeschlossen, als er die enttäuschende Leistung beschrieben hat.

Situation der Oilers gibt wenig Grund zur Hoffnung

Die Aussage “der Stanley Cup scheint weiter weg als je zuvor” ist schlichtweg falsch. Als Leon an Position 3 im Jahr 2014 gedraftet wurde, war Edmonton mitten in der sogenannten “Decade of Darkness”, in welcher, trotz zahlreicher hohen Erstrunden- oder sogar Nummer 1-Draft Picks, zehn Jahre am Stück die Playoffs verpasst wurden. Nach dem ersten großen Auftritt von McDavid und Draisaitl in 2017 (mit dem Aus gegen Anaheim in Runde 2), wurden die Playoffs auch wiederum verpasst, trotz der Rekorde, welche die zwei Stars Jahr um Jahr aufgestellt haben.
Seit 2020 hat das Team jedes mal die Playoffs erreicht, obwohl dort auch weitere Misserfolge in Runde 1 gegen Chicago und Winnipeg eine Enttäuschung mit sich brachten.
Es muss wirklich nicht viel im Team der Oilers verändert werden, damit sie nächstes Jahr wieder in den Playoffs um den Stanley Cup mitspielen. Der Kern der Mannschaft steht und wurde von McDavid und Draisaitl mit geprägt. Aufgrund der Salary Cap Strapazen wird es Spieler geben, die das Team verlassen müssen, aber es gibt Talente wie Dylan Holloway und Raphäel Lavioe, welche in den Startlöchern stehen, um Lücken im Kader zu füllen.
Evan Bouchard und Stuart Skinner stehen beide erst am Anfang ihrer Karriere, haben sich aber schon ziemlich gut entwickelt und werden dem Team in den nächsten Jahren weiterhin ihren Stempel aufdrücken.
Evander Kane, Zach Hyman und Ryan Nugent-Hopkins werden zwar nicht jünger, aber bleiben auch weiterhin Stützen in der Offensive. In der Defensive steht zwar noch Arbeit vor dem Team, aber die Stützen rund um Nurse und Ekholm sind ebenfalls langfristig unter Vertrag.
Also gibt es wenige Gründe, warum das Team vom einem auf den anderen Moment nicht mehr um den Stanley Cup mitspielen sollte, gleichwohl es genügend Verbesserungspotential gibt.

Trade wäre Frage des Respekts gegenüber Draisaitl

Durch unseren Besuch im März, bei dem wir die Ehre hatten Leon Draisaitl zu treffen, konnten wir spüren, welchen Respekt er in der Stadt genießt. Auch in der Franchise trägt er große Verantwortung und wird, als Teil der Leistungsträger, sogar nach seiner Meinung gefragt, wenn es um wichtige Entscheidungen rund um den Kader geht.
Es ist richtig, dass Leon aktuell in seiner Prime Time ist und die wird auch nicht ewig andauern, aber gibt es wirklich Teams, welche die Ressourcen haben,um einen Trade für Draisaitl einzufädeln, bei denen er sofort eine bessere Chance hat auf den Stanley Cup? Mir fällt kein Team ein und im Kommentar habe ich auch keinen Vorschlag gefunden.
Schlussendlich gibt es keinerlei Anzeichen, dass sich Leon in Edmonton nicht wohl oder wertgeschätzt fühlt. Es gibt für ihn nichts Wichtigeres als mit diesem Team und in dieser Stadt, in welcher er zu Hause ist, erfolgreich zu sein. Das hat er auch oft betont und bestätigt.
Ich bin mir sicher, dass er so viel Respekt gegenüber den Oilers hat, dass er sich das noch mindestens bis zum Ende seines Vertrags, oder sogar bis zum Ende seiner NHL Karriere, “antun” wird.

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