0

This is not a farewell-post

Oder: Warum ich mir wünsche, dass die Oilers Jujhar Khaira doch noch signen.

Eins vorweg: Ich bin ein Fan von Jujhar Khaira. Uneingeschränkt.

Ich verfolge die Oilers jetzt seit einigen Jahren – und natürlich habe ich meinen Weg zum Team über Leon Draisaitl gefunden. Als ich dann aber wirklich in den Kosmos der Franchise und des Teams abgetaucht bin, blieb mein Augenmerk immer wieder bei einem „aus der zweiten Reihe“ bzw. besser gesagt bei einem aus den Bottom Six hängen – nämlich eben Jujhar Khaira.

Warum dieser Post?

Nun, JK16 ist UFA also Unrestricted Free Agent geworden und hat von den Oilers kein sogenanntes Qualifying Offer (QO) bekommen. So wie es aussieht, wird er nach fast 9 Jahren die Organisation verlassen – und ich möchte gerne mit Euch teilen, warum ich das für sehr schade, wenn nicht sogar schädlich halte.

Eins ist ganz klar: Die NHL ist ein Business. Sie hat – wie alle anderen amerikanischen Major-Sportliegen – nichts mit dem zu tun, was wir Europäer aus unseren vereinsbasierten Sportwelten kennen. Sie betreibt keine Nachwuchsarbeit und Identifikation geht eher mit dem Franchise als mit einzelnen Spielern einher. Gerade Spieler, die keine absoluten Superstars sind, haben häufig eine kurze Halbwertszeit in den Teams.

Aber gerade darum finde ich, dass die Oilers in Jujhar Khaira etwas besonderes gefunden haben.

Lasst uns mal ein bisschen auf den Spieler Khaira schauen:

Jujhar Khaira wurde am 13. August 1994 in Surrey, British Columbia, geboren.

Seine erste Hockeystation waren die Cloverdale Colts bevor es dann zur Saison 2010/11 zu den Prince George Spruce Kings in die heimische BCHL ging.

Nach 2 Saisons ging es für Khaira an die Michigan Tec, hier spielte er auch in der NCAA eine Saison College-Hockey für die Huskies.

Bereits 2012 wurde der, damals noch 17 jährige, von den Oilers im NHL Entry Draft in Runde 3 an 63. Stelle in die NHL gedraftet.

Die folgende Saison 2013/14 verbrachte Jujhar dann in der Western Hockey League bei den Everett Silvertips im Junior League Bereich – schaffte es aber bereits 6 Spiele in der AHL für die Oklahoma City Barons zu spielen.

Seinen Entry Level Contract und damit seinen ersten Profivertrag hatte er zuvor am 8.8.2013 kurz vor seinem 19. Geburtstag unterzeichnet.

Nach einer weiteren vollen Saison in Oklahoma City debütierte JK16 2015/16 dann für die Oilers in der NHL. Insgesamt stand er für 15 Partien, in denen er 2 Assists sammelte, in der NHL auf dem Eis.

Dazu kommen noch 49 Spiele für die Bakersfield Condors in der AHL – hier übrigens mit 10/17/27, was einem Schnitt von 0,55 Punkten entspricht.

Die Saison 2016/17 war ebenfalls eine geteilte zwischen NHL und AHL; jeweils 10 bzw. 27 Spiele machte Khaira.

Nachdem er dann seine erste Extension unterzeichnete, spielte Jujhar Khaira die nächsten 4 Spielzeiten in der NHL. 2019 folgte dann die zweite Extension.

Dabei ist die abgelaufene Saison eine seiner stärksten gewesen.

Khaira ist dabei sichern kein Top Six Spieler im Roster der Oilers –  und ja, ich muss auch ehrlich sein: zu Beginn der letzten Spielzeit habe ich mich oft gefragt, was mit ihm los ist. Nachdem er aber von Dave Tippet eine kleine Denkpause bekommen hatte, war Khaira voll und ganz zurück.

Khaira ist einer der ganz wenigen verbliebenen Spieler in der NHL, die schon so lange in ihrer Franchise sind, dass sie quasi institutionell zu sehen sind.

Schützt das vor einer „gewöhnlichen“ Verhandlungsposition? Vielleicht beim ein oder anderen – aber sicher nicht in Gänze.

Finde ich das ok? Ja, ich denke schon – letztlich geht es darum eine bestimmte Leistung zu bringen.

Dabei sollte man aber nicht aus den Augen verlieren, was ausser einem Bottom Six Center im Gesamtpaket noch so mitkommt:

Jujhar Khaira ist nicht irgendein UFA, der nach 2 Saisons bei der Mannschaft seinen Marktwert austestet.

Er ist DAS Eigengewächs im Roster der Oilers.

Khaira ist seit 2012 Teil der Organisation, spielt seit 2013 als Profi für die Oilers bzw. Ihre Farmteams.

Als niemand sonst in der vergangenen Saison bereit war, physisch für die Mannschaft einzustehen, stand Khaira auf dem Eis – auch für den Rest des Teams.

Natürlich gibt es auch andere – McJesus, Draisaitl, Nurse, Bear – aber keiner ist solange dabei und dabei im Verhältnis zu den genannten so wenig beachtet wie eben Jujhar Khaira.

Er hat in der letzten Saison gleich 2 schwere Kopfverletzungen erlitten; Dinge, die auch mal nachhaltig gefährlich sein können.

Dennoch hatte ich nie den Eindruck, dass er mit angezogener Handbremse spielt.

Khaira ist innerhalb der Mannschaft ein sehr beliebter Zeitgenossen, er dürfte auch für junge Spieler eine nicht zu unterschätzende Rolle als Rolemodel einnehmen – um an dieser Stelle Christian Hingst zu zitieren: Khaira „ist gedraftet, kennt alles und jeden, weiß wie man copper’n’blue lebt“.

Noch dazu kommt, dass Khaira bisher einen durchaus vertretbaren Cap-Hit hatte (1,2 Millionen $).

Bei einem QO hätten die Oilers ihm einen mit 100% im Vergleich zum letzten dotierten Vertrag anbieten müssen.

Ich hoffe, Ken Holland schaut hier auf die doch schweren Verletzungen der abgelaufenen Saison und versucht Khaira für einen günstigen Vertrag eben doch in der Franchise zu halten.

Hier geht’s meiner Meinung nach einfach um sehr viel mehr, als einen vergleichsweise günstigen Stürmer. Hier geht es um einen, der Identifikation mit den Edmonton Oilers verkörpert. Einer, der bereit ist einzustecken und auszuteilen.

Einer, der seine Rolle spielt und trotzdem oder gerade deswegen alles reinwirft – und ich denke, dass ich in der letzen Minute der Verlängerung in Spiel 7 lieber jemanden wie Khaira im Team hätte als irgendeinen anderen Third oder Fourth Center, der für Minimum seine 10 Minuten abreißt und dann den letzten Check eben doch nicht zu Ende fährt.

Alex Zankerl zählt ihn zur „Roughneck Crew“ – jenen harten Arbeiten, die rausgehen, ihren Job erledigen – und genau deshalb unverzichtbar sind, um ein Team zu formen, zusammen zu halten und nachhaltig zum Erfolg beitragen. Meiner Meinung nach absolut zu Recht.

Wie oben schon Mal geschrieben – das soll kein „Danke-und Mach’s Gut“-Beitrag sein – ganz im Gegenteil. Ich hoffe ich kann bald noch einen „Schön, dass Du noch dabei bist“-Beitrag schreiben.

 

I’ll keep my fingers crossed.

 

#keepkhaira