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Saisonanalyse – Teil 2

20 Spiele oder 1/4 der Saison 2021/2022 sind schon wieder gespielt. Wie haben sich die Oilers bisher geschlagen? Wir schauen auf ein paar Zahlen und versuchen diese zu interpretieren und ins “große Ganze” einzufügen.

So stehen die Oilers da

Parameter Pacific Division NHL
Platzierung 1. 1.
Bilanz 7-0-0 15-5-0
Tore 1. (3,75 pro Spiel) 2.
Gegentore 5. (2,95 pro Spiel) 18.
Verhältnis Großchancen 6. (239:249) 20.
Powerplay 1. (37,7%) 1.
Penalty Kill 2. (87,1%) 4.

Was bedeuten diese Zahlen?

Nun, nach 25% der Saison auf dem geteilten 1. Platz der gesamten NHL zu liegen, ist sicher nicht sooo übel. Ernsthaft, das ist natürlich fantastisch und hätte sicher JEDER Oilers-Fan ohne zu zögern vor der Saison unterschrieben.

Oberflächlich betrachtet bleiben Überraschungen bei der Durchsicht der Werte komplett aus. Die Oilers sind offensiv und in den Special Teams ganz vorne dabei, während sie defensiv eher im Mittelfeld unterwegs sind.

Wie steht es aber aktuell um die Oilers? Dazu schauen wir uns nur die Werte für die letzten 10 Spiele im Folgenden etwas genauer an.

Betrachtung der letzten 10 Spiele

Parameter Pacific Division NHL
Platzierung 4. 13.
Bilanz 1-0-0 6-4-0
Tore 3. (3,10 pro Spiel) 14.
Gegentore 6. (3,10 pro Spiel) 23.
Verhältnis Großchancen 8. (105:135) 28.
Powerplay 3. (25,8%) 8.
Penalty Kill 4. (87,9%) 10.

Es wird schon auf den ersten Blick deutlich, dass die Werte um einiges schlechter sind, als über die bisherige Saison komplett. Die Oilers bewegen sich seit 10 Spielen sowohl in der Division, als auch ligaweit “nur noch” im Mittelfeld. Im Folgenden gehen wir tiefer in die Details, gehen auf Ursachenforschung und fragen uns, wohin die Reise und naher und mittlerer Zukunft für die Oilers gehen könnte.

Die Kurz-Analyse

Die Oilers hatten 8 Auswärtsspiele und 8 Spiele gegen Teams mit einer Punktausbeute von 50% oder besser. Sie sind an der von uns vorhergesagten Bilanz von 7:3 Siegen nur knapp vorbei geschrammt. Diese wurde aber natürlich auf Basis einer kompletten Mannschaft vorgenommen. Unter den Gegebenheiten, dass sich fast jedes Spiel jemand neues verletzt hat, ist eine 6:4- Bilanz völlig in Ordnung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die anderen Spitzenteams auch ihre Probleme haben und immer wieder Spiele verlieren.

Die Oilers liegen mit einem Punkteschnitt von 75% auf Platz 1 der gesamten NHL!

In 2 Spielen (Winnipeg und Dallas) ging gar nichts für die Oilers, in 2 weiteren waren sie gegen schwächer eingeschätzte Gegner (Detroit und Buffalo) nicht konsequent genug. Dafür haben sie aber auch 6x zum Teil sehr ordentliche Leistungen gezeigt und meist absolut verdient gewonnen.

Mehr als 3 Tore im Schnitt ist weiterhin sehr ordentlich, mehr als 3 Gegentore dagegen eindeutig zu viel. Das Powerplay läuft nicht mehr sooo rund und automatisch. Der Schnitt aus diesen 10 Spielen wird allerdings etwas durch die Tatsache gedrückt, dass zahlreiche PP nur wenige Sekunden hatten, ehe man sich durch eigene Strafen selbst dezimiert hat.

Besonders in Auge sticht natürlich der 28. Platz im Verhältnis der Großchancen. Dort lassen die Oilers einfach viel zu viel zu! Das muss sich ändern… und zwar schnell!

Was war gut?

  1. Hervorzuheben sind in erster Linie zwei Youngster, die in diesem kurzen Zeitfenster sehr viel Freude gemacht haben. Klar, es passieren auch immer wieder Fehler. Aber sowohl Goalie Skinner, als auch Center McLeod haben ihre NHL-Tauglichkeit unter beweis gestellt. Skinner hat sich das Vertrauen der Mannschaft erarbeitet und wird weitere Starts bekommen, was extrem wichtig für konstante Leistungen der aktuellen Nr 1. Koskinen ist. McLeod spielt mit viel mehr Selbstvertrauen, hält die Scheibe länger und sucht sinnvolle Lösungen. Nicht mehr nur “Hauptsache zum nächsten Mitspieler”. Er hat die 3. Reihe wieder stärker gemacht!
  2. Die Tiefe in der Defense! Mit Nurse, Keith, Koekkoek und neuerdings auch Ceci sind für die meisten Teams viel zu viele gestandene Verteidiger ausgefallen. Bei den Oilers aber überzeugen die bisher oft und zu Recht kritisierten Barrie und Russel als zwangsweise neue “Leader”. Die jungen Broberg und Lagesson machen logischerweise noch Rookie-Fehler, haben ihre Feuertaufen aber mehr als ordentlich bestanden. Vor allem Broberg könnte die Rufe nach einem konstanten Mann auf links fürs 3. Paar bald verstummen lassen!
  3. Führungsspieler und Teamchemie! Gefühlt kommt gerade zu jedem Spiel ein neuer Nackenschlag für die Oilers. Aber das scheint die Spieler und “die Mannschaft” überhaupt nicht zu belasten. Man merkt an so vielen Situationen auf dem Eis, der Bank und in den Interviews, dass die Führungsspieler sehr gute Arbeit leisten und dass die Teamchemie tatsächlich besonders gut zu sein scheint. Das kann im weiteren Verlauf der Saison noch sehr wichtig werden.

Was darf besser werden?

  1. Die Oilers kriegen einfach zu viele Gegentore. Und das, obwohl beide Goalies wirklich überdurchschnittlich gut halten. Zu einem gewissen Grad ist das natürlich der ständig neu formierten Abwehr geschuldet. Aber das war ja auch vor den Verletzungen schon ein großes Thema. Coach Tippett hat gesagt, dass die “goals against” und das Defensivverhalten als Team, insbesondere die Rückwärtsbewegung und das Befreien aus dem eigenen Drittel, das ganz große Thema ist, an dem in der nächsten Zeit gearbeitet werden soll. 135 Großchancen gegen uns in den letzten 10 Spielen sind einfach viel zu viele. Punkt! Ausrufezeichen!
  2. Wenn McDavid und/oder Draisaitl auf dem Eis stehen, haben die Oilers ein starkes Torverhältnis von 65:34. Ohne die Beiden auf dem Eis liegt es nur noch bei 12:25. 12 Tore aus den Bottom6 sind nach 20 Spielen völlig in Ordnung. Das hatten wir seit ewigen Zeiten nicht. Aber 25 Gegentreffer sind einfach zu viel. Vor allem, wenn man bedenkt, was die Aufgabe dieser beiden Reihen ist, nämlich “ihren Mann zu stehen”, und möglichst ausgeglichen vom Eis zu gehen, wenn die Top-Reihen wieder bei Kräften sind. Das muss defensiv wieder stabiler werden!

Die Reihen 3 und 4 müssen sich wieder ihrer Aufgabe besinnen und häufiger plus/minus 0 vom Eis gehen!

Ausblick

Der Spielplan beschert den Oilers bis Weihachten einen sehr interessanten Spielplan. Acht Heimspiele bedeutet glücklicherweise wenig Reisestrapazen und endlich ein paar Trainingseinheiten. Dafür sind die Gegner fast alle ziemliche Kaliber, die den personell dezimierten Oilers sicher alles abverlangen werden: Pittsburgh, Seattle (auswärts), LA Kings, Minnesota, Boston, Carolina, Toronto, Columbus, Seattle (wieder auswärts) und Anaheim. Aktuell fehlen mit Nurse, Keith und Ceci drei unserer Top4 Verteidiger. Unter diesen Umständen wäre alles, was besser als eine ausgeglichene 5:5 Bilanz ist, in meinen Augen sehr willkommen. Ich sage: McDavid und Leon reissen ein paar Spiele an sich und wir gehen mit 6:4 aus dieser 10er Serie hervor.