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Fast vergessen…Jochen Hecht war mal ein Oiler

Jochen Hecht im Schatten von Marco Sturm

Jochen Hecht war in seiner aktiven Zeit, neben Marco Sturm, der zweite deutsche Superstar in der NHL.

Er wurde neben Marco Sturm oft als der “2te Deutsche” gesehen und stand im Schatten von Marco Sturm, obwohl er ihn finanziell überholte, als er einen Vertrag über 14,4 Mio US-Dollar unterschrieb. Nicht nur deshalb zu Unrecht, Hecht’s Qualitätsmerkmale waren als fleißiger Punktesammler und mannschaftsdienlicher Arbeiter bekannt und geschätzt.

Sein Weg in die NHL

Hecht, 1977 in Mannheim geboren, durchlief zunächst die Nachwuchsabteilungen des Mannheimer ERC.

Sein Debüt im Profikader gab er in der DEL-Saison 1994/1995 mit gerade einmal 17 Jahren. Jochen Hecht spielte eine erste grandiose Saison und erzielte 23 Punkte in 43 Spielen.

Somit kam der Draft der St. Louis Blues 1995 in der 2. Runde an Position 49 wenig überraschend.

Hecht blieb noch für drei weitere Spielzeiten in der DEL und gewann 2 Meister-Titel mit den Adlern aus Mannheim. In seiner erfolgreichsten Saison 1996/1997 erzielte er 42 Punkte in 46 Spielen und war einer der herausragenden Spieler um die deutsche Meisterschaft.

Im Sommer 1998 dann der Wechsel in die NHL.

St. Louis Blues

Jochen Hecht schaffte den Sprung in das Team der Blues nicht auf Anhieb und spielte die meiste Zeit seiner ersten Nordamerika-Saison im damaligen Farmteam, den Worcester IceCats (AHL). Die Einsätze in der NHL-Saison 1998/1999 ließen sich bis dahin an einer Hand abzählen, doch ab den Playoffs gehörte er zum festen Kader…..das Abenteuer NHL konnte beginnen.

Die Blues hatten zu der Zeit einen gut besetzten Kader und zählten zu den Mitfavoriten um den Stanley Cup. Mittendrin Jochen Hecht, der seinen Platz im Team fand und in den beiden folgenden Spielzeiten 78 Punkte in 135 Spielen sammelte.

Edmonton Oilers

Trotz der zwei erfolgreichen Spielzeiten für die Blues wurde Hecht überraschenderweise  im Sommer 2001 Teil eines großen Trades. Er wurde zusammen mit Marty Reasoner und Jan Horacek für Doug Weight und Michel Riesen nach Edmonton transferiert. St. Louis hatte trotz des namhaften Kaders die Erwartungen nicht erfüllen können und startete eine Umstrukturierung ihres Teams.

Jochen Hecht sollte nur für eine Spielzeit (2001/2002) in Edmonton bleiben, in der er 40 Punkte in 82 Spielen beitrug. Die Oilers belegten am Ende Rang drei in der Northwest Division nur zwei Punkte hinter Vancouver und sieben Punkte hinter dem Tabellenführer aus Colorado. Die Oilers verpassten somit die Playoffs nur knapp. Der spätere Stanley-Cup Sieger kam mit den Red Wings aus Detroit.

Hecht war fünftbester Scorer im Team der Oilers hinter namhaften Kollegen wie Mike Comrie, Anson Carter, Ryan Smyth und Janne Niinimaa. Interessanterweise zählte in dem Jahr ein weiterer Deutscher zum Roster der Oilers, nämlich Sven Butenschön, der es auf 14 Spiele in der Saison 2001/2002 brachte.

Jochen Hecht wurde trotz des guten Jahres für ein “pair of draftpicks” nach Buffalo getraded. Mit diesen Picks sicherten sich die Oilers später Jarret Stoll und Jeff Drouin-Deslauries.

Buffalo Sabres

In seiner ersten Spielzeit in Buffalo konnte er aufgrund diverser Verletzungen nur 49 Spiele absolvieren. Ab 2003 lief es aber besser und Jochen Hecht spielte teilweise überragende Partien für die Sabres. Er blieb für insgesamt neun Saisons Teil der Franchise und durfte sogar das Team als Captain auf das Eis führen.

Während der beiden Lockouts 2004/2005 und 2012/2013 spielte er für seine Heimatverein Adler Mannheim in der DEL. Hecht kehrte für die restlichen Spiele der Saison 2012/2013 (der Lockout legte nicht die komplette Saison auf Eis) nach Buffalo zurück und beendete nach 833 NHL-Spielen und 463 Punkten seine Karriere in Nordamerika.

Ausklang der Karriere in Deutschland

Von 2013 bis 2016 spielte er drei weitere Saisons für die Adler aus Mannheim und beendete dann seine aktive Spielerkarriere. Er gewann mit den Adlern insgesamt drei Meistertitel und wurde 2015 zum MVP der Playoffs gewählt. Sein Banner hängt seit 2018 in Mannheim unter der Hallendecke und seine Rückennummer 55 wird dort nicht mehr vergeben.

Im Anschluss wurde Hecht in den Trainerstab in Mannheim berufen und gehörte beim Deutschland-Cup 2016 als Assistent von Bundestrainer Marco Sturm zum Stab der deutschen A-Nationalmannschaft. Es folgten weitere Tätigkeiten im Scouting-Bereich und als Sportspeaker.

Jochen Hecht nahm an zig Junioren-Turnieren wie Welt- und Europameisterschaften teil, spielte drei Olympische Winterspiele und schnürte die Schlittschuhe bei diversen Weltmeisterschaften im Herrenbereich.

Eine tolle Karriere, ein toller Sportsmann und ein großartiger Botschafter für das deutsche Eishockey.

In Mannheim sagen sie nicht umsonst: “Er ist einer von uns….”