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Photo Credit: STEPHEN R. SYLVANIE-USA TODAY SPORTS

Kritik hat ihre Regeln, Grenzen und Konsequenzen

Freude und Enttäuschung liegen im Leistungssport oft sehr nahe beieinander. So ist es bei unseren geliebten Oilers, aber auch bei anderen Teams, sowie in anderen Sportarten. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Dennoch sehe ich eine besorgniserregende Tendenz im Sport und im generellen in unserer Gesellschaft. Hauptpunkt dieser Probleme sind die Sozialen Medien. Dazu möchte ich gerne zwei aktuelle Beispiele vorbringen.

Adam Larsson:

Adam Larsson war innerhalb des Teams ein sehr angesehener Spieler und Charakter. Diese Anerkennung wurde allerdings in der Fanbase der Edmonton Oilers sehr oft vermisst. Immer wieder musste er sich anhören, wie schlecht er doch sei und wurde immerzu mit Taylor Hall verglichen. Bis heute ist “The Trade is One-for-One” ein gängiger Running Gag in den Sozialen Medien. Adam Larsson hatte nie die Chance sich voll zu beweisen, weil er immer unter diesem Gag litt und sich das Dauerhaft anhören musste. Zu allem Übel war sein Vater während seiner Zeit in Edmonton verstorben.

Ethan Bear:

Der junge Defensemen, der uns von einigen Tagen verlassen hatte, wurde nahezu von jedem Oilersfan geliebt. Das war auch lange der Fall und der Großteil war auch traurig, dass er uns verlassen hat. In eine Interview nach seinem Trade erklärt Ethan Bear seine Gründe für einen Perspektivwechsel und einen Neuanfang. “In Edmonton zu spielen war sehr stressig.” Er fehlte am Anfang der Saison mit einer Gehirnerschütterung und kam danach nicht mehr auf sein höchstes Niveau. Auch in den Playoffs spielte er für seine Verhältnisse schwach, wie er sagte. Nach dem Ausscheiden in den Playoffs, wurde er vielfach rassistisch angegangen. Er sagt: Die Online-Welt kann sehr hart sein. Leute sagen Sachen, die sie niemals sagen sollten, aber diese Leute haben leider nichts besseres in ihrem Leben zu tun.”

Was ich mit dem Artikel sagen möchte ist einfach, dass wir niemanden runtermachen sollten. “Diese Person wird das eh nicht lesen” oder “Hey, das gibt bestimmt einige Likes” sind einfach erbärmliche Versuche, seinen Quatsch irgendwie zu verteidigen. Leistungssportler sind Menschen wie wir und sind selbstverständlich auch in den Sozialen Medien unterwegs. Wenn wir Top-Leistungen von Athleten erwarten, sollten wir ihnen auch die Grundlage dafür geben. Ein positives Mindset ist wichtiger als jede Trainingseinheit. Wenn ein Spieler merkt, dass bei jedem Pass, jedem Wechsel oder jeder Defensivaktion nur auf einen Fehler gewartet wird, damit alle wieder drauf einprügeln können, ruft er maximal 70% seines Leistungsvermögens ab. Kritik ist durchaus angebracht und erwünscht. Aber bitte nur belegte, fundierte und argumentativ aufbereitete Kritik, mit dem der Spieler auch etwas anfangen könnte. Natürlich spreche ich hier eine Minderheit in der Fanbase an, die sind leider oft am lautesten. Aber jeder sollte sich hinterfragen, was er Leistungssportlern vorwirft und abverlangt. Adam Larsson und Ethan Bear sind nur zwei Beispiele. Ich könnte die Liste weiterführen. James Neal, der nie jemanden was getan hat, aber einfach zu viel verdient hat. Das gleiche kann man über Kris Russell und Mikko Koskinen sagen. Diese Jungs haben keine Schuld daran, dass jemand ihnen diesen Vertrag vorgelegt hat. Auch ein Ken Holland versucht nur seinen Job so gut wie möglich zu machen. Ich will mich persönlich nicht frei von Schuld sprechen, auch ich schlage ab und zu über die Strenge im Eifer des Gefechts . Aber ich habe das Einverständnis, dies danach wieder zu löschen und zu begreifen, dass es zu viel war.

Das gilt alles nicht nur für den Leistungssport, sondern geht bis ins Privatleben. Also seid nett zueinander und versprüht Positivität!