0

Die unendliche Saga zwischen Jack Eichel und den Buffalo Sabres

Seit Ende der Saison 2020/2021 schießen die Spekulationen um Jack Eichel ziemlich ins Kraut. Von „Jack Eichel will Buffalo den Rücken kehren“ bis „Man arbeitet an einer Vertragsverlängerung“ war alles zu lesen und zu hören. Dabei geriet im Verlaufe des Sommers etwas in den Hintergrund warum es überhaupt zu den Unstimmigkeiten zwischen Eichel und seinem Team gekommen ist.

Natürlich bleibt festzuhalten, dass sich Buffalo trotz diverser personeller Maßnahmen in der Vergangenheit nicht so entwickelt hat wie man, aber mehr noch Eichel, das wohl erwartet hatte. Man erinnere sich, Jack Eichel entstammt der Draft-Class um Connor McDavid und vor dem Draft war man sich lange nicht einig wer der bessere Prospect sein würde. Das sei nur mal erwähnt um zu verdeutlichen in welcher Klasse ein Spieler wie Jack Eichel eigentlich zuhause ist bzw. sein müsste.

Aber Verstärkungen wie z.B. der First Round Pick Rasmus Dahlin oder Jeff Skinner brachten das Team ebenso wenig nach vorne, wie die vielbeachtete Verpflichtung von Ralph Krueger als Cheftrainer. Alle Maßnahmen verpufften und Buffalo sieht sich nach wie vor jede Saison im Keller der Liga.

Das alleine wäre schon genug Stoff dafür, die Beziehung zwischen einem Starspieler und seinem Team merklich abkühlen zu lassen. Und ganz sicher ist das auch hier der Fall.

Der Kern vom Kern

Aber der Hauptgrund für das Zerwürfnis hat einen ganz anderen Grund. Womit ich zum Kern dieser Ausführungen komme.

In der vergangenen Saison hat sich Jack Eichel einen schweren Bandscheibenvorfall im Bereich der Nackenwirbel zugezogen. Eichel hat sich zunächst für eine konventionelle Behandlung entschieden, entgegen dem Wunsch seines Teams, welches eine Operation bevorzugt hätte. Leider hat die konventionelle Behandlung aber nicht den erwünschten Erfolg gebracht, weshalb nun eine Operation unumgänglich ist.

In der Medizin gibt es zur operativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen wie er bei Jack Eichel vorliegt, zwei Methoden.

Versteifung der Wirbelsäule

Die erste und altbewährte Operation sieht die Versteifung der Wirbelsäule an der Stelle des Bandvorfalles vor. Vereinfacht ausgedrückt wird dem Patienten dazu, in der Regel in sitzender Stellung, eine Metallplatte mit mehreren Schrauben an den Wirbeln über und unter der betroffenen Bandscheibe angebracht.

 

Damit sind die Wirbel an dieser Stelle versteift und können die Bandscheibe nicht weiter schädigen. Diese Methode ist altbewährt und wird seit vielen Jahrzehnten angewandt. Der große Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese Versteifung verschleißt und nach mehreren Jahren eine erneute Operation notwendig ist.

Bei einer Behandlung nach dieser Methode, könnte Eichel frühestens nach 3 Monaten ins Training einsteigen, da der Heilungsprozess durch die Verschraubung und der damit verbundenen Rgeneration der Knochen mehr Ruhe erfordert.

Künstliche Bandscheibe

Die andere, modernere und jüngere Methode sieht vor, dass die Bandscheibe komplett durch ein Implantat ersetzt wird. Wiederum vereinfacht ausgedrückt wird der Patient hierbei im Liegen operiert. Man arbeitet sich von vorne zur Bandscheibe durch und ersetzt diese durch ein entsprechendes Implantat. Ähnlich einer Knie- oder Hüftprothese. Diese künstliche Bandscheibe ist stabil und sorgt dafür, dass der Patient seine Mobilität an dieser Stelle bewahrt. Hier bestehen nur geringe Risiken, dass dieses Implantant verschleisst oder ersetzt werden muss. Allerdings besteht ein gewisses Restrisiko, dass bei immens hohen Kräften die auf diese Stelle einwirken die Dislokation des Implantats für erhebliche Schäden an den benachbarten Wirbeln sorgen kann.

Hierbei könnte Eichel bereits nach 6 Wochen schon wieder ins ernsthafte Training einsteigen und könnte bereits nach wenigen Tagen leichtes Training aufnehmen.

Diese Methode wird seit ca. 15-20 Jahren mehr und mehr erfolgreich angewandt. Auch die erste Ehefrau des Verfassers dieses Textes hat eine solche künstliche Bandscheibe im Lendenwirbelbereich erhalten und lebt seitdem glücklich und zufrieden.

Eskalation

Der Streit zwischen Eichel und seinem Team entzündet sich nun daran, dass Buffalo auf die altbewährte Methode setzt, da diese bereits erfolgreich an NHL-Spielern angewandt wurde. Die moderne Methode wurde bei NFL-Spielern erfolgreich eingesetzt, ist aber eben noch bei keinem NHL-Spieler angewandt worden. Und deshalb besteht Buffalo auf die altbewährte Methode und zwingt Eichel insofern dazu sich nach dieser Methode behandeln zu lassen, obwohl dieser klar und eindeutig zu der zweiten Methode tendiert. Leider gibt das CBA den Sabres hierfür sogar die Grundlage.

Da man in dieser Causa mittlerweile offensichtlich Lichtjahre von einer Einigung entfernt ist hat sich das Team um Eichel nun zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. Letzte Woche trat der Arzt von Eichel Dr. Chad Prusmack im 31 Thoughts-Podcast von Elliott Friedman und Jeff Marek das ganze medizinische Dilemma öffentlich gemacht und damit eine neue Eskalationsstufe im Streit gezündet. Dr. Prusmack ist ein anerkannter Neurochirurg der in der Operationsmethode keinerlei Probleme für einen professionellen NHL-Spieler sieht. Seinen Aussagen zufolge wurde diese Methode bei Eishockeyspielern die in Europa tätig sind erfolgreich angewandt und bislang gab es diesbezüglich keinerlei Probleme.

Die Lösung?

Auf die Frage welche Änderungen sich Dr. Prusmack in der NHL wünschen würde, kam eine überraschende Antwort. Dr. Prusmack findet es höchst irritierend, dass das CBA (Collective Bargain Agreement) den Spielern nicht die Möglichkeit einräumt die Behandlungsmethoden selbst zu wählen. Immerhin sei es ihr Körper und dementsprechend sollten die Spieler auch selbst entscheiden können. Eine wie ich finde bemerkenswerte und nachvollziehbare Antwort.

Die Saga um Jack Eichel und die Buffalo Sabres geht also in eine weitere Runde. Man hört die New York Rangers und die Calgary Flames bemühen sich um einen Trade. Auch Vegas soll Interesse haben. Der Preis den Buffalo fordert soll allerdings immens sein.

Es bleibt in dieser Sache also megaspannend!